Aus Mais und Hirse wird Biogas

Die größte Biogasanlage Europas entsteht demnächst bei Güstrow. Davon zeugt bis jetzt nur ein kilometerlanger, nahezu drei Meter hoher Bauzaun. Außer aufgeschütteten Erdhügeln ist dahinter noch nichts zu sehen. Das dies nicht so bleibt, ist die Aufgabe von Eckard Pratsch, dem Direktor der Leipziger Nawaro Engineering Gmbh. In nicht allzu ferner Zukunft sollen hier 70.000 Tonnen Biomasse zu Biogas werden. Als Grundlage hierfür dienen unter anderen Mais, Hirse und Rasenschnitt. Die 100.000.000 €, die das ganze kosten wird, werden je zur Hälfte aus einem Aktienfonds und aus Bankkrediten stammen. Für Bauherr Pratsch ist es nicht die erste Biogasanlage, die er baut. Eine steht z.B. im vorpommerschen Penkun. Das Biogas soll nach Pratschs Aussage reiner als Erdgas werden. Technisch muss man sich das so vorstellen: Dem Biogas wird das CO2 entzogen, nach einer Reihe von weiteren Schritten liegt dann ein fast 100-prozentiges Methangas vor. In dieser Qualität könne das Biogas in das öffentliche Netz eingespeist werden, so Pratsch.

Zahlen

Bald sollen 46.000.000 Kubikmeter Gas pro Jahr zum Endverbraucher gelangen. Dies reiche aus, um eine Stadt von ca. 50.000 Einwohnern zu versorgen, meint der Direktor. Dafür muss Mais von einer Fläche von 10.000 Hektar bzw. von einem Gewicht von etwa 330.000 Tonnen herhalten. Die Kapazität der Biogasanlage ist noch nicht ausgeschöft. Pratsch ist immer noch auf der Suche nach Bauern, die ihm die benötigte Biomasse liefern. Dann sollte er sich jedoch beeilen, schließlich ist der Beginn für die Einspeisung am 1. Juni 2009 geplant. 24 Fermentertürme mit einem Fassungsvermögen von 4.000 Kubikmetern müssen noch hochgezogen werden.

Skepsis

Viele der Bauern wollen sich nicht an nur einen Abnehmer binden, sie befürchten auch das Entstehen von Monokulturen vor Ort, was auf die Dauer nicht gut sei. Der Landesbauernverband rät seinen Mitgliedern, sich nicht zu reinen Rohstofflieferanten machen zu lassen, sondern auch dafür zu sorgen, dass sie an der Wertschöpfung beteiligt werden. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit will Pratsch möglichst nur Bauern im Umkreis von 50 km als Vertragspartner haben,