Ende eines Grenzstreits

Russland und China haben ihren langandauernden Grenzstreit (40 Jahre) im Juli 2008 endgültig beigelegt. Nun ist klar geregelt, wer wo auf einer Strecke von 4.300 Kilometern das Sagen hat. Das Abkommen wurde von dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao unterzeichnet. Wo die Flüsse Amur und Ussuri eine natürliche Grenze bilden, kam es seit den sechziger Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts des öfteren zu Zusammenstößen.

Hintergrund

Hintergrund war der zu diesem Zeitraum beginnende Streit über ideologische Ansichten, die die beiden kommunistischen Mächte fortan getrennte Wege gehen lies. In den neunziger Jahren kam es dann zu ersten Einigungen über den Grenzverlauf. Am Zusammenfluss von Amur und Ussuri geben die Russen eine im Jahr 1929 eroberte Insel und die Hälfte einer weiteren Insel zurück. Die Einigung über den Grenzverlauf kann man als Zusammenrücken beider Staaten interpretieren. Beiden wollen so ein Gegengewicht zu der als übermächtig empfundenen USA bilden. Pekings Hunger nach Rohstoffen ist ungebremst. Nicht nur in Afrika oder den arabischen Staaten kaufen sie ein, auch in Russland will China sich Öl und Gas sichern. In Bezug auf Rüstungsgüter ist China bereits Großkunde bei Russland. Russland ist seinerseits darum bemüht, China seine Öl- und Gasvorkommen zu verkaufen, damit es z.B. ein Gegengewicht zum europäischen Kunde ist.

Argwohn

Argwohn gegenüber der aufstrebenden Wirtschaftsmacht ist dabei nicht von der Hand zu weisen. Das wird deutlich, wenn Lawrow bei der Vertragsunterzeichnung unter anderem sagte, dass, solange die Lösungen auf der Grundlage von Gleichheit und gegenseitigem Vorteil gesucht würden, alle Fragen gelöst werden könnten, auch die komplizierten. Russland und erst Recht die USA, müssen sich daran gewöhnen, dass es in Zukunft eine multipolare Welt gibt, in der sie ihre Rolle finden müssen. Neben China und Indien ist es Brasilien, dass an Bedeutung zunimmt. Eine einige Euroäische Union und arabische Welt wären zwei weitere Pole im Konzert der Mächte. Sie alle müssen zu vernünftigen und einvernehmlichen Lösungen bei der Nutzung der letzten Gasvorkommen und Ölfelder kommen.